Katharina & Oma Ines: „Wenn wir uns sehen, gibt es nur Real Talk”

Good Night Stories For Rebel Girls. Das lese ich meiner Tochter am liebsten vor, denn mich faszinieren Powerfrauen und Feministinnen seit jeher. Wir können alle von diesen Lebenswegen, die mit Mut und Tatendrang gepflastert sind, lernen. Aber wisst ihr was? Man muss gar keine gedankliche Weltreise machen, um diese Macherinnen zu finden. Es gibt genug Kämpferinnen, deren Stories stehen in keinem Buch und sie sind uns sogar ganz nah: in der eigenen Familie. Ja, meine Oma Ines ist auch so eine. Viele Frauen der Generation unserer Großeltern sind für die Rechte der Frauen auf die Straße gegangen, sie standen nach dem Krieg alleine da oder waren mit krassen Schicksalsschlägen konfrontiert. Diese Frauen haben oft Unvorstellbares gemeistert.

Wifey ohne Ambition, nicht mit mir. Danke, Oma.

Meine Oma ist keine von den „Früher war alles besser“-Omis. Im Gegenteil, durch ihre Biografie ist es ihr insbesondere wichtig als Frau auf eigenen Beinen stehen zu können und niemals abhängig von einem Mann sein zu müssen. Und so gab es von ihrer Seite auch immer Real Talk, wenn wir über Jungs sprachen. Während andere Familienmitgliedern romantische Reden schwangen oder auch traditionelle Rollenbilder vermittelt bekam, sagte Oma: „Ah, du hast jemanden kennengelernt, schön! Aber du musst ihn nicht gleich heiraten, hörst du!“

Sie hat mich nie gefragt, wann ich denn endlich heirate oder Kinder bekomme, so wie viele andere Großeltern. Ihr war immer besonders wichtig, dass ich für mich selbst sorgen kann. Das hat mich doch geprägt und in mir (genau wie in meiner Mutter) den beruflichen Ehrgeiz geweckt. Wifey ohne Ambition, nicht mit mir. Danke, Oma.

Und noch eine Sache, die ich von meiner Oma gelernt habe: Beim Blick auf den Teller meiner Tochter, sagte mein Vater kürzlich lachend: „Du wirst noch genauso wie deine Oma.“ Es war ein Seitenhieb in Richtung der Mutter meiner Mutter, denn sie achtete stets total darauf, ihre Familie mit gesundem Essen zu versorgen. Bescheidenheit und Nachhaltigkeit ist ihr eben wichtig. Auch wenn Letzteres mittlerweile ein Trendwort wurde, fand ich das nicht immer so hip. (Mein Vater wohl auch nicht). Klar, als Kind fand ich diese Themen ziemlich nervig, heute wünschte ich, dass viel mehr Menschen so denken würden, wie meine Oma. Bei ihr gab’s ganz dunkles Brot mit Quark, mit ein bisschen Marmelade. Das weiß ich heute zu schätzen – und ernähre meine Familie ebenfalls regional und bio.

Wenn also noch jemand sagen will, ich sei wie meine Oma, dann her damit. Das ist ein Kompliment für mich.

  • Diese OMAge stammt von Katharina Leithoff. Sie hat Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg studiert und ist Mitgründerin der Refugee Law Clinic, die kostenlose Rechtberatung für Geflüchtete anbietet.