Die Menschen dahinter

Alles begann mit einer ganz normalen Frage. „Hast du ein Auto in Berlin?“ Die Antwort aber, die war alles andere als einfach, denn sie machte ein gesellschaftliches Problem deutlich – und war der Anstoß für Hey Nana: Ich bin Edith Löhle, Journalistin und Autorin, ich kann zwar mit Worten, doch meiner 94-jährigen Oma vom Bodensee das Modell Car-Sharing zu erklären, war eine Herausforderung. In meinem kläglichen Versuch musste ich mich erst einmal all der hippen Anglizismen entledigen, um am Ende zu merken, dass meine Lebenswelt in ihrer Selbstverständlichkeit auch in deutscher Sprache nicht zu greifen ist. Zumindest nicht für eine Frau, die 1925 geboren wurde.

Die Kluft zwischen Jung und Alt ist riesig, und technischer Fortschritt und individueller Freiheitsdrang helfen da mit. Aber die Sprachbarriere ist keine Einbahnstraße, es ist ein Generationskonflikt. Mir ist klar, dass meine Oma Klara Dinge drauf hat, die ich und die Frauen meiner Generation nicht annähernd verstehen oder umsetzen können. Dass ihr Werte wichtig sind, die meiner Altersgruppe verloren gegangen sind.

Ich versuchte mich also in die Lage einer Rentnerin zu versetzen, die den Fernseher anschaltet und dann beschallt wird mit Werbung für Apps und digitalen Inhalte auf Geräten, die sie nicht besitzt. Ach ja, angepriesen werden diese von Menschen, die jung und fit sind…
Die Gedankenreise hat sich ein bisschen angefühlt, wie damals in der Schule ausgegrenzt zu sein, wenn die anderen irgendwann nicht mehr mit einem spielen wollen. Nicht geil.

Was wäre unsere Gesellschaft ohne die Alten? Was wären wir ohne ihre Lebenserfahrung? Was wären wir ohne unsere Omis? Und was wären sie ohne uns? Ich habe also beschlossen, genau diesen Austausch mit meiner Oma zu dokumentieren und hielt es für eine schöne Idee, dass meine Mutter, Doris Löhle, Fotografin und Oma Klaras Tochter, die Bilder von unseren Treffen macht.

Foto von Thomas Löhle. Fun Fact: Auch mein Vater ist Fotograf und da ich ihn bei diesem Projekt nicht ausschließen wollte, hat Papa wiederum meine Mutter Doris und mich fotografiert – weil meine Mutter ja meine Oma und mich fotografiert. Der Löhlsche Domino-Effek quasi.

Ein schönes Frauen-Projekt in unserer Familie, dachte ich. Daran werden sich auch mal meine Enkel*innen freuen, dachte ich. Umdenken: Warum das Gesprächsfeld nicht auch für andere eröffnen? Immerhin geht es hier um ein gesellschaftliches Thema. So entstand der Gedanke zur Plattform, auf der Enkelinnen und Großmütter selbst über ihr besonderes Band schreiben können. Eine Seite, die wachsen kann – genau wie das Mitgefühl für andere Generationen.

Weil ich schon von dem Schulbild sprach: Alle dürfen hier mitspielen! Wer Lust hat, seine persönliche OMAge zu veröffentlichen, schreibt hier in die Oma-Börse oder direkt eine Mail mit Foto an hallo@edithloehle.de