Yara & Oma Hansi: „Sie hat mich bestärkt, zu mir zu stehen“

Ich glaube man hat immer eine besondere Beziehung zu Nanas. Egal wie. Und alle meine (Ur-)Nanas haben einen festen Platz in meinem Herzen. Aber die Beziehung zwischen Omi und mir ist auf vielen Ebenen eine ganz besondere.

Was mich immer schon an Omi fasziniert, ist ihre Eleganz, ihr mondänes Auftreten. Sie wusste sich zu kleiden, zu bewegen und zu tanzen. Wir haben sehr viel zusammen getanzt. Schon mit drei Jahren hat sie mir beigebracht, andere selbstbewusst dazu aufzufordern. Mein Highlight war, mich an ihrem Kleiderschrank zu bedienen. Und das ist es noch immer. Ich bin so dankbar und glücklich, dass sie mir immer wieder wunderschöne Einzelteile schenkt, die sie selbst jahrzehntelang getragen und geliebt hat. Ich habe dadurch zum einen gelernt, wie haltbar und kostbar gute Stoffe sind und auch wie schön es ist, Geschichte weitertragen zu dürfen. Im wahrsten Sinne.

Wir hatten wunderschöne, leichte Jahre. Meine Kindheit war geprägt davon. Aber nicht nur. Wie in jeder engen Beziehung, gab es auch zwischen Omi und mir Herausforderungen.

Ungefähr zehn Jahre lang war es nicht wirklich leicht, Familienkonstellationen vertrackt und mein Auszug von Zuhause sorgte für mehr Distanz. Es gibt aber eine einschneidende Wendung, die mich noch immer so berührt, dass ich beim Schreiben Tränen in den Augen habe:

Vor zwei Jahren habe ich mich zum ersten Mal in eine Frau verliebt, anstelle eines Mannes. Ich habe gemerkt, dass ich nicht ein Geschlecht liebe, sondern den Menschen. Für manche vielleicht nichts besonderes. Für mich als Dorfkind, die selbst immer auf der Suche nach dem perfekten Prinzen war, eine Sache, die ich erstmal verarbeiten musste. Gleichzeitig war ich glücklich, fühlte mich frei und unbändig wie nie. Für mich stand außer Frage, all das mit meiner Familie zu teilen. Die Reaktionen waren: unerwartet. Und trafen mich teilweise tief. Meine große Sorge daher: wie würde Omi reagieren? Ich wollte es ihr nicht sagen, aus Angst, sie könnte ernsthaft (!) einen Herzinfarkt erleiden.

Aber: sie spürte. Sie wusste. Und ich wusste auch. Ich musste nichts sagen. Diese tiefe Liebe ihrerseits zu spüren, die Verbundenheit durch ein über Monate hinweg unausgesprochenes Geheimnis zwischen uns beiden, hat vieles verändert. Als ich mich von meiner damaligen Partnerin trennte, stellte Omi mir viele Fragen. Zu allem. Ich habe mich so gesehen, so wertgeschätzt gefühlt. Und ich tue es bis heute.

Ein paar Monate später wieder eine Nachricht, mit der niemand gerechnet hatte: Ich hatte plötzlich einen Dackel! Omi staunte, lachte, wunderte und freute sich. Sie wollte ihn unbedingt kennenlernen und ich ihr diesen Wunsch erfüllen. Dann war es so weit: Die erste Reise mit Hund ging in den Schwarzwald.

Meine Omi sitzt mittlerweile fast jeden Tag des Jahres 24/7 in ihrem Haus, kommt kaum noch raus, die meiste Zeit ist sie komplett alleine. Ich hatte mir gewünscht, ihr einen Nachmittag zu schenken, den sie nie vergessen würde. Vielleicht klingt unser Abenteuer für viele banal, aber für uns war es das Allerschönste: Mit meinem neuen Auto hatte ich sie abgeholt, auf den Beifahrersitz gesetzt und meinen Dackel Krümel auf ihren Schoß. Ein solches Leuchten hatte ich ich lange nicht mehr in ihren Augen gesehen. Gemeinsam haben wir eine große Spritztour durch den Schwarzwald gemacht, vorbei an hohen Tannen und schönsten Aussichtspunkten. Natürlich gab es Kaffee und Kuchen, aber bei allem ging es eigentlich nur um den Moment. Darum, völlig präsent zu sein und zu genießen. Das war besonders. Ganz besonders schön.

Als wir zurückkamen, sollte ich noch eine Tarotkarte ziehen. Meine Oma legt sich selbst hobbymäßig Karten seit ich denken kann. Auch dieses Miteinander, dieser Moment hat meine Omi und mich noch einmal mehr zusammengeschweißt. Und dazu geführt, dass ich selbst einen Tarotkurs gemacht habe. Nicht nur für mich, sondern auch für meine Kund*innen. Einmal mehr habe ich dabei gelernt, voll und ganz auf meine Intuition zu vertrauen, auf mich. Und darauf zu scheißen, was andere denken, sagen oder tun.

Meine Oma lebt ihre Spiritualität seit Jahrzehnten. Sie hat mich gelehrt, die Angst vor Verurteilung und Gerede loszulassen.

Sie hat mich bestärkt, zu mir zu stehen. In allem, was ich bin und mit allem, was ich bin. Und: meine Reise hat gerade erst begonnen. Ich bin so dankbar für Dich, Omi! Ich liebe Dich.
Deine Yara.

Diese OMAge stammt von Yara Hoffmann. Die TV-Journalistin und Moderatorin lebt in Berlin. Von Politik bis Einsamkeit –  die Themen sind vielfältig, aber Empathie und Intuition einen Yaras Berichterstattung. Wer nach diesem Text Lust auf eine Tarot-Lesung bekommen hat, schreibt sie am besten direkt bei Instagram an.